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Veröffentlicht am 19.07.2015 von nemesis

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Adorned Brood Feature zur Nordic Mythologie

Adorned Brood – Subway To Sally auf hart

Einen gewaltigen Schritt haben Adorned Brood mit ihrem neuen Album „Erdenkraft“ vollzogen: Von der eher derben Black Metal-Band mit melodischen Einflüssen zu einer Combo, die intensive, teils dark age-mäßigen Melodien, liebenvolle, detaillierte Arrangements und einfach eine Menge traditionellen Metal perfekt harmonieren läßt. Und die Rechnung scheint aufzugehen, jedenfalls hagelt es gute Kritiken und das Interesse an der Band hat sich sehr gesteigert.

„Wobei sich einige Fans der ersten Stunde gar nichts sonderlich freuen“, beginnt Sänger Markus ‚Frost’. „Manche regen sich auf, daß die CD so ruhig sei.“ Nun ja, weil Heavy Metal auch ruhig ist. Aber es stimmt schon, die Wandlung der Band von der Vorgängerplatte zu „Erdenkraft“ ist schon enorm – und eine wahre Bereicherung.

„Wir haben auch mit solchen Reaktionen von einigen der Fans gerechnet. Die Veränderung war keine bewußte Entscheidung, es ergab sich eben so, daß Ingeborg mehr von den Vocals übernommen hat als vorher und mein Gesang cleaner wurde. Und als die Platte fertig war, dachten wir uns ‚oh, da werden sich einige aufregen’. Es entwickeln sich eben nicht alle Fans mit.“ Doch während sich einige vielleicht von Adorned Brood verabschieden werden, dürfte es wohl keinen Zweifel daran geben, daß auch eine Menge neuer Anhänger dazukommen werden. „Wir wollten auch von diesen ellenlangen Songs weg, das Material sollte melodischer werden. Unserer Meinung nach war dies ein sehr wichtiger und guter Schritt.

„Die nordische Mythologie ist schon ein großer Punkt, rückt aber zugunsten persönlicheren Texten auch schon mal in den Hintergrund“

Sicher ist es nichts komplett Neues. Eine neue Richtung, neue Tür kann sowohl Nachteil und Vorteil sein. Soweit ich weiß, gibt es zu unserem jetzigen Stil kaum vergleichbare Bands – vielleicht könnte man noch Subway To Sally auf hart heranziehen. In der Metal-Szene finden sich die meisten unterschiedlichen Ausrichtungen aller Musikrichtungen überhaupt. Einerseits scheint die Presse stets etwas Neues, Innovatives haben zu sollen. Kommt dann aber genau so was um die Ecke, wird man nicht gerade empfangen. Das habe ich schon oft erlebt. Vielleicht liegt das daran, daß man sich zwar Abwechslung wünscht, sich aber dennoch immer erst an etwas gewöhnen muß. Die Flexibilität ist einfach nicht so wie sie sein sollte.“

Neben der stilistischen Veränderung gibt es auch textlich eine andere Fahrtrichtung bei Markus und seinen Mitstreitern. „Ausschließlich zwei Tracks beschäftigen sich mit den Themen, die auch schon vorher eine Rolle bei uns gespielt haben. Wir hatten auf drei Alben immer Lyrics um die gleichen Thematiken und diese sind eben auch mal ausgeschöpft. Dann fängt man an, sich zu wiederholen. Diesmal ist alles persönlicher geraten und die nordische Mythologie in den Hintergrund gerückt. Die mag zwar ein großes Themenfeld bieten, aber irgendwann hat man es auch abgegrast. Wir haben uns diesbezüglich zusammengesetzt, wir wollten das einfach nicht mehr. Die Dinge, die uns selbst bewegen, sollten mehr in den Vordergrund.“

„Mit dem Pseudo-Satanisten-Kram haben wir uns nie abgegeben“

Die nordische Mythologie war aber auch ein entsprechendes Terrain für den früheren Black Metal-Sound der Band. „Black Metal hat einfach immer eine Menge mit Religion zu tun, auch davon wollten wir uns wegbewegen. Ich mag keine Predigten halten, die Leute sollen einfach die Mucke mögen. Auch früher haben wir keine ‚Messen’ geschwungen, wir haben lediglich über Themen gefunden, die wir toll fanden. Ich finde die Intoleranz in der Black Metal-Szene schlimm, sie ist sehr engstirnig. Alles ist eine einzige Predigt, vor etwa fünf Jahren war das Ganze aber noch extremer. Leider sieht man an den Mördern von Witten, daß immer noch manche quer schlagen. Damit haben wir uns nie identifiziert, umgedrehte Kreuze gab es bei uns nie.“

Black Metal kann wie normaler Metal eine Lebenseinstellung sein, muß es aber nicht. „Ich denke, man wächst mit Metal auf oder nicht. Ich bin durch den Bruder einen Kumpels von mir drauf gekommen – die Älteren waren natürlich immer die Vorbilder. Und sie haben uns Running Wild, Metallica und Co. nahe gebracht. Wir sind damit aufgewachsen und dabei geblieben. Metal ist auch die Freiheit, sich auf der Bühne, Gefühle ausleben zu können. Auf einer Harley fühlt man sich in dem Moment frei, in dem man auf der Kiste sitzt.“Und dabei sollte man doch einen Weg finden, sich überhaupt frei zu fühlen. Und das bedeutet eine gewisse geistige Reife und Freiheit – und auch, sich von sich selbst und seinen eigenen Vorurteilen, Ängsten etc. frei zu machen. „Ich könnte ohne diese Band und ohne diese Musik nicht leben. Ich bin das einzige Urmitglied, daß von Adorned Brood noch übrig ist – und wer kann schon ohne sein Baby leben.“

photocredit: By Huhu Uet alias Frank Schwichtenberg (Own work) [CC BY-SA 3.0 or CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

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