Interviews

Veröffentlicht am 11.12.2015 von nemesis

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Interview Fiddler´s Green

Selbstläufer durch Freibier

Vielleicht mag die Musik dieser Jungs nicht ausschließlich was mit Rock zu tun haben, aber sie fasziniert eben auch Anhänger dieses Genres – und als eine der wenigen ausländischen Bands genießen Fiddler´s auch bei den „echten“ irischen Musikern ein sehr hohes Ansehen. Diese Zeilen zeigen einen kleinen Auszug der Band-History zum Zeitpunkt des Albums Another Sky.

Sehr erfreulich war damals natürlich, dass die Scheibe Another Sky bisher super angekam und sich die Presse-Hörerschaft durch die Bank lobend zeigte. „Wir befinden uns mit dem neuen Album gerade noch in der Anlaufphase, aber bisher sind wir mit den Reaktionen sehr zufrieden. Ich bin ja gespannt, wie die Fans auf Another Sky reagieren werden. Manche werden sich vielleicht denken, es ist die gleiche Mucke wie immer, und andere werden vielleicht meckern, weil es in ihren Augen anders klingt als die anderen Scheiben“ begann Basser Rainer Schulz.

Fast kein Folk auf die Lauscher

Bei den starken Folk-Einflüssen, die den Sound von Fiddler´s Green nun mal mit ausmachen, könnte man eigentlich fast meinen, die Band würde sich kaum was anderes in musikalischer Hinsicht reinziehen. So kann man sich irren. „Ich höre kaum Folk, um ehrlich zu sein. Da ziehe ich mir lieber Deftones oder Testament rein. Musik zu machen an sich macht eine Menge Spaß, da ist für mich fast egal, welcher Stil und demzufolge welche Band.“ Bevor diese Aussage irgendwer in den falschen Hals bekommt:

War wohl eher so gemeint, dass der Gute einfach gern Musik macht und eine Band nicht von der eingeschlagenen Stilrichtung abhängig macht. Aber sicher nicht so, dass ihm Fiddler´s am Allerwertestens vorbei geht. „Ich finde es wichtig, Innovation an den Tag zu legen. Dadurch lassen sich viele traditionelle Musikrichtungen und Elemente zeitgemäßer und neuer gestalten. Die Mittelalter-Metaller Subway To Sally und In Extremo sind für mich sehr gute Beispiele, wie man das miteinander verknüpfen kann und ohne wirklich etwas komplett Neues zu erfinden, aus dem Rahmen fallen kann.

Wo bleibt die Frische?

Ich vermisse diese Innovation bei vielen Bands, es kommen kaum mehr Meilensteine ans Licht. Neue Mischungen und Soundcollagen wären mal gefragt. Manche sehen vielleicht den Stil von Rammstein als etwas Frisches, doch waren die auch nicht die ersten, die mit diesem Sound ankamen. Die Krupps sollten hier an erster Stelle genannt werden.“

Frischen Wind versprühen Fiddler´s Green mit ihrer Mischung aus Rock, Folk und weiß der Geier, was sonst noch, allemal. Wobei sich das alles, soweit man Rainer bezüglich der folgenden Aussage Glauben schenken darf, eigentlich recht automatisiert hat. Zumindest die Entstehung der Band. „Die Idee war eigentlich, dass es gar nicht dumm wäre, eine Band zu haben. Spielt man mit dieser Band Konzerte, gibt es Freibier für einen.

Insofern hat sich das als Selbstläufer entwickelt.“ Voll die Einstellung, aber gut. Wenn´s schee macht. Flausen im Kopf scheinen also so oder so vorhanden zu sein, wobei Rainer selbst nicht unbedingt ein Fan fröhlicher Mucke ist.

Musik gegen Schnarchzapfen auf der Straße

„Ich reiß mich nicht darum, happy Songs zu hören. Allerdings muss ich mir bei einer Fahrt ins Grüne im Auto nicht unbedingt White Zombie reinziehen. Wenn ich aber nur noch zwanzig Minuten Zeit habe, um nach Nürnberg zu fahren, aber eigentlich vierzig Minuten bräuchte, kann mir diese Mucke schon sehr helfen“, schmunzelte Rainer ein wenig. „Wenn ich selbst dagegen Musik mache, ist es etwas anderes. Kommt auf die Situation an.

Die angesprochene Scheibe ist auch nicht so positiv geworden. Das hängt immer vom Seelen- und Liebesleben unseres Fronters ab, der die meisten Songs ankarrt. Läuft alles wie am Schnürchen, sind die Tracks positiv. Naja, und diesmal sind es eben weniger.“ Während Irrungen und Verwirrungen im Privaten wohl ein Grundstein für die Mucke der Band sind, spielen die persönlichen musikalischen Vorlieben da weniger eine Rolle.

Der wahre Reiz

„Wir haben alle unterschiedliche Geschmäcker, der gemeinsame Nenner ist die Band. Wir hören eigentlich alles. Außer Schlager und Volksmusik, versteht sich.“ Auch wenn Fiddler´s Green mittlerweile über einen absolut guten Status verfügen, setzt die Band nichts voraus. „Ich hoffe, dass die Leute sich an unserer Musik nicht abhören.

Die vorangegangene CD war mainstreamiger, und wir haben mitbekommen, dass das schon einige Leutchen abgeschreckt hat. Wir wollten mehr verkaufen als vorher, aber das hat eben nicht funktioniert. Es gibt Leute, die können auf Knopfdruck Songs schreiben, die Hits werden. Dieter Bohlen und dieser Siegl zum Beispiel. Wobei sich die Frage stellt, ob man das Songs nennen kann. Und ob man eben die Mehrzahl abgesehen von der Qualität verwendet kann.

Vielleicht wäre ‚ein Song in hundert Varianten‘ passender formuliert. Wenn wir zu Konzerten fahren, hören wir im Auto oft Radio, aber da stellt´s einem ja die Haare auf. Es ist abartig, wie oft man ein und denselben Song an einem Tag hören kann.“

Und noch eine Erkenntnis: „Live zu spielen macht einfach mehr Spaß als alleine daheim rumzusitzen. Wir sind unheimlich viel unterwegs und wenn wir mal nicht spielen, fehlt es mir total. Es ist auch nicht so, dass sich das Gefühl auf der Bühne auf Dauer abnutzt. Der größte Reiz stellt sich für mich darin, Publikum mitzureißen, dass nicht viel von unserem Material kennt.“

photocredit: By Exoport (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

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